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Whistleblower – Krisenmodus im Unternehmen

Jeder wird es schon einmal erlebt haben – ob als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – die gemeinsame Reise dauert nicht immer ein Leben lang. Mal trennt man sich im Guten, mal im Schlechten. Die Umstände können unterschiedlich sein und nicht immer endet es friedlich. Tauchen aber plötzlich Vorwürfe auf, die im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen mit sich bringen können, muss eingegriffen werden.

Auch wenn es im europäischen Raum eher unüblich ist, können solche Entwicklungen jederzeit eintreten. Es gibt aber eben auch Länder, in denen dieses Verhalten zur Kultur gehört und häufig vorkommt. Dabei geht es um den eigenen Ruf, den man in der Gesellschaft wiederherstellen möchte. 

(Falsche) Anschuldigungen können aber auch an anderer Stelle und nicht nur von ehemaligen Mitarbeitern zum Vorschein kommen. Ex-Geschäftspartner, mit denen man nicht mehr zusammenarbeiten möchte und die dadurch einen hohen Verlust machen oder Konkurrenten, die sich die Marktführung sichern wollen – es gibt die unterschiedlichsten Gründe einem Unternehmen Schaden zufügen zu wollen.  

Woran kann man das festmachen? Hier einige Beispiele aus der erlebten Praxis:  

  • Ein ehemaliger Mitarbeiter möchte sein Ansehen in der Gesellschaft nach einer Kündigung wiederherstellen und wirft dem Management Missbrauch von Firmeneigentum und Diebstahl vor.
    Dem Management drohen Strafanzeigen und entsprechende Ermittlungen.
  • Ein ehemaliger Mitarbeiter der Buchhaltung wirft seinem Arbeitgeber Steuerhinterziehung und ein nicht-gesetzeskonformes Verhalten vor.  
    Dem Unternehmen drohen rechtliche Konsequenzen.
  • Einer der größten Konkurrenten möchte seine Marktstellung stärken und lässt über unterschiedliche Kanäle Gerüchte verbreiten. Dem Unternehmen wird vorgeworfen Bestechungsgelder zu zahlen, um an öffentliche Aufträge zu gelangen.
    Es droht eine Strafverfolgung und Gefängnisstrafen. 
  • Ein Geschäftspartner, der mit der Zusammenarbeit nicht mehr zufrieden ist und sich in Verhandlungen neuer Konditionen nicht durchsetzen konnte, setzt das Unternehmen mit Falschaussagen unter Druck und versucht so, den eigenen Willen durchzusetzen.  
Negative Reputation vermeiden

Für Geschädigte gibt es zwei wichtige Regeln: die Vorwürfe dürfen weder ignoriert werden, noch sollte man in Panik verfallen. Behauptungen und vor allem die Quellen, aus denen diese entspringen, müssen auf Richtigkeit und Motivation geprüft werden, bevor das Management, die Belegschaft etc. verrückt gemacht werden. Die Auswirkungen, die damit einhergehen können, könnten im schlimmsten Fall zu einer Rufschädigung führen oder andere negative Folgen haben. Wer möchte denn schon mit einem Unternehmen zusammenarbeiten oder für ein Unternehmen arbeiten, dem regelmäßig vorgeworfen wird, dass es Bestechungsgelder zahlt oder sich den Mitarbeitern gegenüber nicht korrekt verhält? Es gilt also: Ruhe bewahren und die Vorwürfe prüfen oder prüfen lassen, sodass eventuelle Schwachstellen schnellstmöglich beseitigt werden können. 

Besonders ernst wird es, wenn die Vorwürfe aus mehreren Quellen entspringen. Ein ehemaliger Mitarbeiter lässt seinen Frust raus – da kann man als Unternehmen drüberstehen. Wenn dieselben Vorwürfe aber auch von anderen Personen, vielleicht sogar aus dem eigenen Management, herangetragen werden, sollte man die Lage ernst nehmen, die Prozesse überprüfen und ggf. nach Schuldigen suchen und entsprechende Maßnahmen einleiten. 

Hintergründe erkennen und Lessons Learned anwenden

Auch wenn ein Unternehmen mit dem Erscheinen eines Whistleblowers in den Krisenmodus geht und ad hoc auf Anschuldigungen reagiert, müssen langfristige Konsequenzen aus der Situation gezogen werden. Im besten Fall wird bestätigt, dass die Prozesse keine Lücken aufweisen und alles einwandfrei läuft. Wie konnte es aber dazu kommen, dass die Behauptungen nicht von vornherein ins Leere liefen?  

Zu lockere Prozessregelungen innerhalb des Unternehmens beispielsweise, die einen Spielraum für solche Behauptungen und diese dementsprechend wahr erscheinen lassen, sollten umgehend angepasst werden.

Hier erfahren Sie mehr über unsere mögliche Vorgehensweise:

Haben Sie sich schon mit dem Thema beschäftigt?

Testen Sie sich und Ihr Unternehmen: Können Sie folgende Fragen mit ‚ja‘ beantworten?

  • Sie haben Ihre Fühler bereits ausgestreckt und werden informiert, sobald neue Informationen über Ihr Unternehmen auftauchen?

  • Sie haben einen Notfallplan, der unerwartete Reaktionen (ehemaliger) Mitarbeiter berücksichtigt und jederzeit zum Einsatz kommen kann?

  • Sie wurden in der Vergangenheit mit Anschuldigungen konfrontiert und haben eventuelle Schwachstellen, die die Gerüchteküche fördern, optimiert?